Kunststopfen und Ausbessern

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Über Kunststopfen und Ausbessern. Und Wunder.

„Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.“

Kurt Tucholsky

 

Da hat Tucholsky Recht – dies haben alle Löcher gemeinsam. Auch mit dem, das Sie gerade in Ihrem Kleidungsstück haben und das nun von der Schneiderei Burscheid idealerweise wieder mit „Etwas“ gefüllt – und unsichtbar werden soll.

Wenn das nur so einfach wäre ... Haben Sie etwas Zeit?

 

Loch ist nicht gleich Loch. Zum einen unterscheiden sich die Löcher selbst – in erster Linie durch ihre Größe und in zweiter Linie hinsichtlich des Ortes, an dem sie sich befinden. Zum anderen unterscheiden sich Löcher hinsichtlich ihres Drumherums. Und das ist, aus der Perspektive des Schneiders gesehen, meistens das Entscheidende. Denn davon hängt ab, welche Technik verwendet wird, um ein Loch wieder mit „Etwas“ zu füllen.
Grob unterteilt gibt es drei Techniken: Die erste heißt „Kunststopfen“ und wird zumeist bei gewebten Wollstoffen eingesetzt. Die zweite heißt „Ausbessern“ . Sie ist preiswerter und das Mittel der Wahl bei Maschenware und anderen gewebten Stoffen wie zum Beispiel Jeans. Ausnahmen gibt’s natürlich auch. Wie immer.

Und drittens gibt es noch Applikationen. Durch das Auf- oder Einsetzen von Stoff können auch Textilien mit größerflächigen Beschädigungen oder „dünnen“ Stellen (z.B. am Ellenbogen) wieder tragfähig werden.
Um es gleich vorwegzunehmen: Wunder können wir nicht. Und ein Loch in einem Kleidungsstück völlig ungeschehen zu machen wäre eins. Mitunter gelingt es nahezu – doch dies hängt vom Loch ab. Und vom Drumherum.

Das Drumherum – eine kleine Stoffkunde

Wenn Sie sich noch nie damit beschäftigt haben, ist es Ihnen möglicherweise noch gar nicht aufgefallen: Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Stoffstrukturen:

Gewebe und Maschenware.

1. Gewebe

Skizze: Gewebter Stoff mit Kett- und Schussfaden
Gewebter Stoff mit Kettfaden (rot) und Schussfaden (blau)

Die Weberei ist eine der ältesten Techniken der Herstellung von Stoffen. Gewebe entstehen aus mindestens zwei Fadensystemen: Kettfaden und Schussfaden werden rechtwinklig verkreuzt. Dabei bilden die vorgespannten Kettfäden den Träger, in den nacheinander die Schussfäden von einer Webkante zur anderen eingezogen werden.
Während Löcher in gewebten Wollstoffen wie zum Beispiel Anzügen, Sakkos, Mänteln, Hosen und Röcken in der Regel kunstgestopft werden, lassen sich Löcher in anderen Geweben wie Jeans, Blusen und Hemden auch ausbessern.

2. Maschenware (Wirk- und Strickware)

Skizze: Gewirkter Stoff mit Fadenschlingen
Ineinander „gewirkte“ Fadenschlingen

Bei Wirk- und Strickwaren wird eine Fadenschlinge in eine andere geschlungen. Das kennen Sie möglicherweise noch von Omas selbst gestricktem Pullover. Während beim Stricken oder Häkeln eine Masche neben die andere gesetzt wird, bildet der Faden in der Wirkware übereinander stehende Maschen. Im Gegensatz zu Gestricktem sind Wirkwaren nur maschinell herstellbar. Maschenware kommt typischerweise bei Pullis, Trikotstoffen (T-Shirts), Jersey, oder Unterwäsche zum Einsatz.
Wirk- und Strickwaren können nicht kunstgestopft werden, sondern werden ausgebessert.

Kunststopfen, Ausbessern, Applikationen – Möglichkeiten und Grenzen

Um möglichen Enttäuschungen vorzubeugen, sage ich meinen Kunden immer: „Löcher ungeschehen machen können wir nicht.“ Und dies gilt insbesondere für moderne Stoffe, die aus sehr feinen Fäden gewebt oder gewirkt werden. Bei gröberen Stoffen, zum Beispiel auch Jeans, grenzen unsere Ergebnisse manchmal an Wunder – hier findet man mitunter nur mit einem geübten Blick die Stelle, die vorher Loch war. Aber schauen Sie selbst – auf folgenden Seiten finden Sie weitere Details zu den Themen „Kunststopfen“, „Ausbessern“ und Applikationen – und beispielhafte Resultate:

Kunststopfen – eine Kunst für sich
Ausbessern – maschinell oder per Hand

Applikationen – die dritte Lösung

„Zur soziologischen Psychologie der Löcher“

Vielleicht sind Sie auch neugierig geworden, was Kurt Tucholsky vor mehr als 80 Jahren über Löcher philosophierte. Zum Beispiel zur Frage, wo ein Loch bleibt, wenn es zugestopft wird: „Drückt es sich seitwärts in die Materie? Oder läuft es zu einem andern Loch, um ihm sein Leid zu klagen?“ Aber lesen Sie die ganze Geschichte:

„Zur soziologischen Psychologie der Löcher“

 

 

 

 

Weitere Impressionen aus der Schneiderei Burscheid: