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Wissen, was nicht geht

Die Schneiderei Burscheid auf dem Boden der Realität:

Dass man nicht von sich auf andere schließen soll, heißt es so schön. Doch denkt man daran, wenn man einen Dienstleister beauftragt, den alten Dielenboden zu restaurieren und einfach davon ausgeht, dass er einen Kundenwunsch mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandelt, wie man es selbst tun würde? Dabei erschien die Aufgabe lösbar: Die alte Lackschicht sollte herunter – und hell sollte er werden, der neue Fußboden in der Werkstatt ...

Ostern 2009, der erste Versuch

Alles fing so gut an: Mit vier starken Helfern räumen wir am Mittwoch vor Ostern die Werkstatt aus – ca. 1 Tonne Inventar, das sorgsam auf die verbleibenden Räume und den Keller verteilt wird. Am Gründonnerstag, 8.00 Uhr, kommt der vermeintliche Fachmann, nennen wir ihn Franz Brüll, und beginnt den Boden abzuschleifen – tatkräftig von uns unterstützt. Auch wenn wir Laien sind, möchten wir doch engagiert am Ergebnis mitwirken ...

Doch die Freude über den unter viel Schweiß und absehbarem Muskelkater über 13 Stunden lang abgeschliffenen Boden währt leider nur kurz: Der aufgetragene Kunstharz-Lack verfärbt die helle Fläche in ein dunkel-braun-rötlich-scheckiges Etwas, das unser Fachmann „honigfarben“ nennt. Was für ein Honig mag das wohl sein? fragen wir uns. Der von uns anvisierte Rapshonig ist es sicher nicht. Und ein guter Waldhonig wäre uns zwar zu dunkel, würde aber wenigstens ein homogenes Farbbild zeigen. „Das geht nicht anders“, stellt unser Fachmann fest und lässt sich auch von Tränen nicht abhalten, sein Werk fortzusetzen: „Das mach’ ich jetzt fertig!“

Der Trocknungsprozess verschlimmert die Optik eher, anstatt wie gehofft, dem Wunsch „heller Boden“ wieder ein Stück entgegen zu kommen. „Das geht nicht anders!“, wiederholt der Fachmann. „Das ist ein alter Dielenboden! Das ist Patina!! Der Boden ist doch schön!!!“ findet er.

Die Schneiderei ist längst wieder eingeräumt, als ein zweiter Fachmann vor Ort feststellt: „Natürlich könnte der Boden viel heller werden.“ Und dies nicht nur behauptet, sondern mit der mitgebrachten Schleifmaschine und Wasserlack sofort beispielhaft unter Beweis stellt. Diagnose: Franz Brüll hat nicht nur unzureichend abgeschliffen, sondern auch noch den falschen Lack aufgetragen.

 

Honigfarben!??? „Das geht nicht anders!“, sagt der Fachmann. Doch einen Lichtblick verspricht der hinzugezogene Bodenexperte.

Fronleichnam 2009, der zweite Versuch

Unberührt von unserer Enttäuschung und unbeeindruckt vom Urteil und den Arbeitsbeispielen des zweiten Fachmanns folgen unzählige „Das geht nicht anders!“ Unter zunehmendem Druck der zahlenden Vermieter erklärt sich Franz Brüll dann schließlich doch zur Nachbesserung bereit.
Was für ein Glück, eine äußerst hilfsbereite und höchst geduldige Familie zu haben, die auch ein zweites Mal das Inventar bestehend aus über 15 schweren Maschinen, Regalen, Materialkisten, Kücheneinrichtung und einem überdimensionalen Zuschneidetisch wieder auf die restlichen Räume verteilt. „Beim dritten Mal schaffen wir das in weniger als zwei Stunden“, scherzen wir noch.
Am nächsten Tag erscheint Franz Brüll, lustlos, unwillig und erstaunt, dass wir den Boden, für den wohlmeinende und mitfühlende Menschen den Begriff „rustikal“ gefunden haben, noch immer nicht schön finden. Wieder greifen wir auch selbst zur Schleifmaschine – und das ist gut so. Denn alsbald hören wir Franz Brüll sagen: „Das ist ein alter Dielenboden. Der geht nicht heller!“

Nachdem wir ihm an einigen Stellen, die noch wirklich unerträglich sind, beweisen, dass es doch geht, kippt die Stimmung ins Aggressive. Vor dem Ziel, den Boden doch noch so schön wie möglich werden zu lassen und die Schneiderei wieder rechtzeitig öffnen zu können, beginnt eine zermürbende Gratwanderung zwischen Beschwichtigung, Trotz und einem körperlichen Einsatz, der, wie sich später herausstellen wird, unsere Grenzen überschreitet.

Doch der krönende Abschluss soll noch kommen: Bei einer zwischenzeitlichen Besichtigung stellt die aufmerksame Vermieterin mit Entsetzen fest, dass Franz Brüll den Lack, der für die Nachbesserung ausdrücklich beauftragt war, offenbar nicht verwendet hat. Dazu befragt antwortet er nur: „Der ist doch Unsinn!“ Sein Lack reiche völlig aus. Er habe sich da kundig gemacht ...

Der kurzfristig telefonisch hinzugezogene zweite Bodenfachmann und der Lackhersteller beurteilen die Sachlage allerdings einhellig völlig anders. Das Problem jedoch: Der für gewerbliche Böden richtige Lack ist vorm Wochenende nicht mehr zu beschaffen ...

Die Alternativen: Die Schneiderei die kommende Woche schließen und erneut Umsatzverluste in Kauf nehmen oder ein Kompromiss. Franz Brüll schlägt vor, den vorhandenen Lack mit einem Rest Gewerbelack, den er noch in der Werkstatt hat, zu mischen. „Nein, das ist kein Problem! Wasserlack ist Wasserlack.“ Die Mischung wird aufgetragen. Dann ist Wochenende. Der Boden kann trocknen. Ende gut, alles gut?

Ein dritter Versuch?

Als wir uns am darauf folgenden Montag beim Lackhersteller telefonisch rückversichern möchten, ob die eingesetzte Mischung wohl in Ordnung sei, wird das Schweigen am anderen Ende der Leitung erschreckend lang. Und auch nachdem der zunächst sprachlose Techniker Worte findet, macht er uns leider nicht glücklich. Ob diese „abenteuerliche“ Mixtur nun halten werde oder nicht – dazu könne er wirklich keine Aussage wagen: „Da haben wir keine Erfahrungswerte. Sowas versucht normalerweise niemand ...“

Nun, bis jetzt sieht der Boden gut aus. Natürlich wissen wir nicht, wie dauerhaft unsere Freude sein wird: Vielleicht wird sich die Lackschicht eines Morgens aufgerollt haben oder plötzlich zu Staub zerfallen sein. Ein Trost: Immerhin wäre dann auch der Lackhersteller um eine Erfahrung reicher ...

Nichtsdestotrotz ist nun eine gute Gelegenheit, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wir dürfen uns über Vermieter freuen, die sich in jeder Hinsicht solidarisch verhalten haben und uns nach Kräften unterstützten, unser Ziel zu erreichen. Dafür an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank! Darüber hinaus haben wir viel gelernt. Über Dielenböden und über Dienstleistung. Und wissen noch ein wenig genauer als zuvor, was geht – und was nicht geht ...

 

 

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Weitere Impressionen aus der Schneiderei Burscheid: